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Berufsbild: Steuerberater in der Schweiz

Sieben Richtlinien für das Berufsfeld des Steuerberaters

In der 85. Versammlung der Bundeskammer am 26. und 27. März 2012 in Münster haben die Abgeordneten sich intensiv mit dem Berufsfeld des Steuerberaters beschäftigt und zukünftige Veränderungen besprochen. Gemeinsam kamen sie zum Schluss, dass es sieben Themengebiete gibt, die den Berufsstand zukünftig beeinträchtigen und verändern werden.

1. Steuerberater – Ein Freier Beruf

Zukünftig wird der Freie Beruf des Steuerberaters unter den Gesichtspunkten des Wettbewerbs, der Deregulierung und der „Vergewerblichung“ weiter stark diskutiert. Eine Auseinandersetzung über die Steuerung des Berufes erfolgte durch Initiativen aus Brüssel. Jedoch bleibt der Steuerberater ein unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege und ist weiterhin seinen Kunden und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Daher ist es wichtig, den Wirkungsbereich der Berufsgruppe des Steuerberaters genau zu beleuchten und aufzuweisen.

Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen, um den Beruf zu stärken:

  • eindeutige Stellungnahme zur Freiberuflichkeit, um so die Unabhängigkeit des Steuerberaters gewährleisten zu können
  • Vertrauensbasis zwischen Mandant und Steuerberater schützen und achten
  • stärkere Berücksichtigung des Steuerberaters als unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege
  • das Leitbild des Berufes fortführen und in der Öffentlichkeit manifestieren

2. Steuerberatung und Kernaufgabengebiet des Berufsstands

Einkommensteuererklärung 2013Das Aufgabengebiet des Steuerberaters wird selbst nach 2020 vermehrt durch die Beratung bestimmt. Dahingegen verliert die Steuererklärung an Gewicht. Im Gegenzug dazu gewinnen die weitreichenden Steuergestaltungs-, Steuerplanungs- und Steuerabwehrberatung mehr an Bedeutung. Zusätzlich steigen die Anforderungen an das Rechnungswesen künftig, um den Mandaten stets einen transparenten Überblick über die erbrachten Leistungen zu gewähren.

Die Grundstruktur des Berufszweiges sowie die damit verbundenen Berufspflichten sollen erhalten bleiben. Aus Sicht des Verbraucherschutzes sind vor allem Verbindlichkeiten, wie zum Beispiel die Verschwiegenheitspflicht, Abschluss einer Haftpflichtversicherung oder die transparente Kostenaufstellung als besondere Qualitätsmerkmale auszuzeichnen.

3. Erweiterung des Aufgabenfelds

Das Gutachten eines Steuerberaters hinsichtlich seiner Grundtätigkeiten ist nicht nur bei Firmen, Geschäftsinhaber, Organisationen und Privatpersonen gefragt, sondern auch bei weiteren korrespondierenden Aufgaben. Er ist eine wichtige Vertrauensperson für seine Kunden, da er als Berater in allen unternehmerischen und wirtschaftlichen Entscheidungen fungiert.

Durch die Veränderung des Berufsfeldes, die sich verändernde Nachfrage und die bereits erhobenen Daten von seinen Auftraggeber, kann der Steuerberater seine Kunden in vielen weiteren betriebswirtschaftlichen Themen qualifiziert betreuen.

Besonders für Privatpersonen entwickelt er sich zu einem universellen Berater auch in Bezug auf Einkommens- und Vermögenssicherung. Daher wird eine kontinuierliche Weiterbildung im Kernbereich des Steuerrechts vorausgesetzt und weitere Spezialisierungen prägen zukünftig das Berufsbild stark prägen.

4. Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Berufsgruppe

Durch den demographischen Wandel ist es für den Berufsstand der Steuerberater schwer Mitarbeiter oder Nachwuchskräfte zu finden. Zudem werden die Anforderungen an angehende Steuerfachkräfte steigen, denn die moderne Kommunikations- und Informationstechnologie macht auch vor diesem Berufszweig keinen Halt. Zusätzlich stellen die Erweiterung der Beratungstätigkeit und die Ausweitung des beruflichen Tätigkeitsbereiches, die auf die Steuerberater zukommen, weitere Anforderungen dar.

Für die Mitarbeiterrekrutierung sind neben einer soliden Ausbildung, attraktive Entwicklungsperspektiven und angemessene Arbeitsbedingungen im Sinne der „Work-Life-Balance“ elementar. Nur so gelingt es Kanzleien, den Wettbewerb um neue Nachwuchskräfte oder Kollegen zu gewinnen und auf Dauer zu halten.

Sowohl intern als auch extern wird der Bereich des Personalmanagements bedeutender. Besonders wichtig ist dabei, den Ausbildungsberuf als Steuerfachangestellter attraktiver zu machen, effektiver zu bewerben und den Berufseinsteigern ausreichende finanzielle Absicherung in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung an die Hand zu geben.

5. Erfolgskriterien

Das Steuerrecht gestaltet sich vielschichtiger, die Informationsfülle der Mandanten steigt und der Wettbewerb entwickelt sich dynamischer. Insgesamt verändern sich alle drei Gesichtspunkte in rasantem Tempo. Die reine Informationsversorgung kann die umfangreicher werdende Nachfrage der Kunden nicht mehr bedienen. Um als Kanzlei erfolgreich zu sein und eine entsprechend gute Beratungsqualität gewährleisten zu können, werden neben einer fundierten Ausbildung regelmäßige Fortbildungen innerhalb der beruflichen Standards verlangt.

Die kommenden Herausforderungen können Kanzleien durch Qualitätssicherungssysteme, moderne Organisationsstrukturen und somit einer unternehmerischen Führung bewältigen. Für ihren Erfolg sollten Faktoren, wie zum Beispiel eine zielgruppenorientierte Kundenbetreuung, offensives Marketing oder zeitgemäßes Gehaltsmanagement berücksichtigt werden.

6. Weitere marktspezifische Optionen

Seitens der Kunden steigen die Anforderungen sowohl an die Leistung als auch an den Beratungsumfang künftig. Aufgrund dessen sind ein breites Informationsspektrum und praktische Erfahrung des jeweiligen Steuerberaters erforderlich.

Nicht alle Steuerberater – vor allem in kleineren Unternehmen – können oder wollen diese umfangreiche Anforderung unbegrenzt leisten. Daher müssen einige Kanzleien auch in Abhängigkeit von ihrer Größe und Region einen Zusammenschluss mit anderen Berufsgruppen in der Zukunft in Betracht ziehen. Vor allem für Einzelpraxen kann der Verbund verschiedener Gruppen eine strategisch wertvolle und erfolgsversprechende Maßnahme sein, um das erforderte breite Leistungsspektrum der Mandanten abdecken zu können.

7. Prozessoptimierung durch Technikeinsatz

Durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie optimieren und vereinfachen sich viele Prozesse in Zukunft. Nicht nur in öffentlichen Verwaltungen sondern auch in den Kanzleien selbst. Immer mehr Arbeitsschritte werden mit Hilfe neuer Technologie schneller abgewickelt, wie zum Beispiel administrative Geschäftsprozesse in der Kanzlei. So verhindert man auch oftmals doppelt getätigte Arbeitsschritte.

Standardisierte Tätigkeiten können vorbereitet und durch ein systematisches Programm vereinfacht und unterstützt werden. Dies fördert die Zeitgewinnung und Simplizität. Durch die Anwendung neuer Kommunikationstechnologie im öffentlichen Bereich, kann der Steuerberater seinen Mandanten auch in technischen Fragen Hilfestellung geben.

Die neuen Technologien ermöglichen es den Steuerberatern ihre Prozesse effizient zu optimieren. Des Weiteren können sich Mandanten durch das Internet zu fachlichen Themen vorab informieren.