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Berufsbild: Steuerberater in der Schweiz

Der Berufsbezeichnung des Steuerberaters lautet in der Schweiz Treuhänder. Der Beruf ist allerdings nicht geschützt. Das heißt, dass es keine Zulassungsbeschränkungen gibt und praktisch jeder ein eigenes Treuhandbüro eröffnen kann. Dennoch gibt einige Ausbildungen, die mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen werden.

Die Abschlüsse dienen als „Qualitätssiegel“ und helfen Verbrauchern, seriöse Berater von den schwarzen Schafen auf dem Markt zu unterscheiden. Die Abschlüsse heißen dabei:

  • Diplomierte Steuerexpertin / Diplomierter Steuerexperte
  • Treuhänderin / Treuhänder mit eidgenössischem Fachausweis
  • Diplomierte Wirtschaftsprüferin / Diplomierter Wirtschaftsprüfer

Ganz gleich, ob die Treuhänder geprüft wurden oder ohne staatlichen Abschluss operieren, haften sie für alle Schäden, die sich verursachen. So sind die Kunden zumindest teilweise vor den Folgen einer fehlerhaften Beratung geschützt.

Aufgaben eines Steuerberaters in der Schweiz

Wirtschaftsprüfer und Treuhänder werden im beruflichen Alltag mit komplexen steuerrechtlichen Fragestellungen konfrontiert. Daher benötigen sie umfassende Kenntnisse der direkten und indirekten Steuern in der Schweiz. Aber auch internationale Regelungen wie das OECD Musterabkommen oder das Doppelsteuerabkommen müssen sie bis ins Detail kennen.

Steuererklärung ausfüllen lassen Zürich
Neben Bilanz und Treuhand gehört auch die klassische Beratung zu den Aufgaben eines Steuerberaters
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Die Steuerexperten betreuen sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen. Sie stehen diesen als unabhängige Ratgeber in allen Steuerfragen zur Verfügung und vertreten stets die Interessen ihrer Mandanten. Häufigstes Einsetzgebiet ist die Hilfestellung bei der Steuererklärung und die Schlichtung bei Streitigkeiten mit den Steuerverwaltungen. Für den Beruf eine gute Auffassungsgabe und die Fähigkeit vorausgesetzt, sich schnell in komplexe Zusammenhänge hineinzuarbeiten. Auch ein verantwortungsvolles und problemlösungsorientiertes Arbeiten sind unabdingbar. Von Vorteil sind zudem sehr gute Englisch-Kenntnisse und das Beherrschen weiterer Fremdsprachen.

Das leistet ein ausgebildeter Steuerberater in der Schweiz

  • Erstellen von Steuererklärungen für natürliche und juristische Personen sowie von Steuervereinbarungen mit Steuerbehörden
  • Erstellen von Situationsanalysen, Planungsvarianten, Risikoanalysen und Handlungsempfehlungen
  • Abstimmen mit Kundenbedürfnissen, Minimieren der Steuerrisiken, Mitarbeit bei strategischen Steuerentscheiden
  • Aufzeigen von Steuerfolgen, Ideen zur Steueroptimierung
  • Durchführen von internen und externen Steuerprüfungen

Wege in den Beruf des Steuerberaters in der Schweiz

In der Schweiz gibt es fast 1.000 Betriebe, die jungen Menschen eine Ausbildung zum Treuhänder ermöglichen. Etwa 500 Menschen entscheiden sich jedes Jahr dafür. Unterstützt und begleitet werden die Ausbildungsgänge von Treuhänderverbänden wie TREUHAND|SUISSE oder EXPERTsuisse. Diese vergeben nach Abschluss der Ausbildung auf die begehrten Qualitätssiegel, mit denen die jungen Treuhänder ihre Vertrauenswürdigkeit nachweisen.

Bevor die Prüfung abgelegt werden kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Abschluss einer dreijährigen beruflichen Grundausbildung oder
  • Abitur (in der Schweiz: Matura) oder
  • Ein anderer gleichwertiger Ausweis, dazu
  • Vier Jahre Berufserfahrung
  • Bestehen einer gültigen Zulassungsprüfung
  • Kein Eintrag im Strafregister, der dem Prüfungszweck entgegensteht
  • Gute Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Rechnungswesen

Ausbildung zum Steuerberater bei den großen Trägerschaften

Neben den Organisationen wie der Schweizerischen Treuhand-Kammer oder der Schweizerischen Steuerkonferenz sind TREUHAND|SUISSE und EXPERTsuisse als Expertenverbände die großen Träger für  Ausbildungsgänge zum Treuhänder, Steuerexperten oder Wirtschaftsprüfer.

TREUHAND|SUISSE wurde 1963 gegründet. Im Verband haben sich über 2.000 Treuhänderinnen und Treuhänder zusammengeschlossen, die überwiegend für kleine und mittelständische Unternehmen sowie für Privatpersonen arbeiten. Über Partnerschaften mit verschiedenen Treuhänderschulen bietet der Verband kaufmännische Grundausbildungen sowie Spezialausbildungen an.

Bildungsangebote von TREUHAND|SUISSE

  • Lehrlingsausbildung: Grundausbildung Treuhand / Immobilien
  • Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter Treuhand
  • Treuhänderin / Treuhänder mit eidgenössischem Fachausweis
  • Diplomierte Treuhandexpertin / Diplomierter Treuhandexperte

Bereits seit 90 Jahren gibt es EXPERTsuisse, der als Expertenverband für Wirtschaftsprüfung, Steuern und Treuhand auftritt. Zwei Drittel der Schweizer Wirtschaftsleistung wird von Unternehmen erbracht, die von den Verbandsmitgliedern betreut werden. EXPERTsuisse achtet dabei vor allem auf die lebenslange Weiterbildung seiner Mitglieder und fördert diese mit verschiedenen Berufsbildungsprogrammen.

Bildungsangebote von EXPERTsuisse

  • Berufslehre: Kaufmännische Grundausbildung Treuhand / Immobilien
  • Treuhänderin / Treuhänder mit eidgenössischem Fachausweis
  • Diplomierte Steuerexpertin / Diplomierter Steuerexperte
  • Diplomierte Wirtschaftsprüferin / Diplomierter Wirtschaftsprüfer

Ungebrochene Attraktivität des Berufs

Trotz der qualifizierenden Ausbildungen und Gütesiegel genießt die Steuerberaterbranche in der Schweiz keinen guten Ruf. Die schlechte Meinung wird dabei von verschiedenen Testinstituten bestätigt. So zeigte eine Untersuchung des schweizerischen Verbrauchermagazins „Kassensturz“, dass keines der getesteten Steuerbüros in der Lage war, die Steuererklärung zweier Musterkunden ohne Fehler auszufüllen.

Dennoch ist das Interesse am Beruf des Treuhänders ungebrochen. Rund 50.000 Personen waren 2015 in der Schweiz in der Branche beschäftigt. Das ist ein Plus von rund 35 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Die Gründe liegen in der guten Beschäftigungsquote und den attraktiven Verdienstmöglichkeiten. So war 2015 nur ein Prozent der Steuerberater auf Jobsuche. Das durchschnittliche Gehalt beträgt rund 75.000 Franken pro Jahr. Berufseinsteiger können mit rund 45.000 Franken pro Jahr rechnen.